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Universität Bayreuth, Pressemittelung Nr. 011/2026, 02.02.2026

Ein Schatz aus Bayerns Vergangenheit ist jetzt online für alle zugänglich 

Wie lebte eine Gemeinde vor 150 Jahren? Was bewegte die Menschen – von Feuersbrünsten über Krankheiten bis hin zu großen gesellschaftlichen Umbrüchen? Antworten darauf finden sich in den evangelischen Pfarrbeschreibungen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Dieser einzigartige Blick in den Alltag früherer Generationen ist nun erstmals vollständig digital zugänglich – dank eines dreijährigen Großprojekts des Instituts für Fränkische Landesgeschichte (IFLG) der Universitäten Bayreuth und Bamberg.

3 Männer mit Akten

Das Institut für Fränkische Landesgeschichte (IFLG) der Universität Bayreuth hat in einem dreijährigen Projekt Pfarrberichte aus ganz Bayern digitalisiert. Die rund 300.000 Seiten sind jetzt online öffentlich zugänglich. Im Bild (von links) IFLG-Geschäftsführer Dr. Marcus Mühlnikel, Projektmitarbeiter Oliver Grimm M. A. sowie Prof. Dr. Martin Ott, der Institutsleiter des IFLG.

Gemeinsam mit dem Landeskirchlichen Archiv der Evangelisch‑Lutherischen Kirche in Bayern und bavarikon wurden mehr als 300.000 Seiten aus rund 2.600 Gemeinden erfasst und online gestellt. Der Freistaat Bayern unterstützte dieses Vorhaben mit einer Summe von über 210.000 Euro im Rahmen von bavarikon, dessen organisatorischer und technischer Betrieb bei der Bayerischen Staatsbibliothek liegt. Marcus Mühlnikel, Geschäftsführer des IFLG, spricht von einem „riesigen Schatz“, der nun für Forschung und Öffentlichkeit gleichermaßen offensteht. Und er betont mit einem Schmunzeln: „Es handelt es sich hier nicht um knochentrockenes bürokratisch-administratives Material, sondern um packenden Lesestoff.  Der Pfarrer setzte sich auch mit dem ,moralisch-sittlichen‘ Zustand seiner Gemeinde auseinander; das ermöglicht uns interessante Einblicke in die Lebensverhältnisse und Milieus seiner Gemeinde.“

Was die Pfarrbeschreibungen so wertvoll macht

Besonders spannend: Die evangelischen Pfarrer mussten ihre Berichte nach einem festen Schema verfassen. Dadurch lassen sich Gemeinden über ganz Bayern hinweg gut vergleichen – ein großer Gewinn für Forschung, Heimatkundler und alle, die sich für die Geschichte ihres Ortes interessieren. Zumal die Dokumente nicht nur Kirchengeschichte erzählen, sondern das Leben in bayerischen Gemeinden in all seinen Facetten zeigen, schließlich werden in den Texten auch folgende Punkte angesprochen:
* Die Geschichte der  Pfarreien und ihrer Kirchenbauten
 *Die Biografien der Pfarrer, aber auch der Lehrer und Gemeindemitarbeitenden
 *Inventare, Verwaltungsunterlagen und Pfarrbibliotheken
 *Religiosität, „Sittlichkeit“, Gemeindeleben und soziale Lage
 *Familienleben, Erziehung der Kinder, Freizeitgestaltung und politisches Engagement der Bevölkerung
 * Unglücksfälle, Überschwemmungen, Krankheiten oder Kriege

Ein Projekt mit Signalwirkung

Das IFLG konzipierte und begleitete das Projekt wissenschaftlich, das Landeskirchliche Archiv stellte die Originalquellen bereit, bavarikon stellte die Finanzmittel bereit und übernahm die technische Umsetzung. „Mit diesem Projekt leisten wir einen wichtigen Beitrag zur Öffnung historischer Quellenbestände und zur digitalen Transformation der Geisteswissenschaften“, so die Projektleitung. Mit über 210.000 Euro eingeworbenen Sondermitteln des Freistaats Bayern stärkt das IFLG zugleich die Sichtbarkeit der Universität Bayreuth im Bereich der digitalen Wissensvermittlung. bavarikon ist die digitale Schatzkammer des Freistaats Bayern, ein Gemeinschaftsprojekt des Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst und des Staatsministeriums für Digitales. Das Onlineportal macht mit mittlerweile über 570.000 Inhalte von mehr als 200 Kultureinrichtungen das vielfältige kulturelle Erbe Bayerns weltweit kostenlos zugänglich.

Der Link zu den Pfarrbeschreibungen:
https://www.bavarikon.de/evangelische-pfarrbeschreibungen-bayern

Hinweis für die Redaktionen:
Das Projekt wird bei einem Pressetermin am Donnerstag, 5. Februar, 14:15 Uhr im Landeskirchlichen Archiv in Nürnberg offiziell vorgestellt. Teilnehmen werden der Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche, Christian Kopp, die Generaldirektorin der Bayerischen Staatsbibliothek, Dr. Dorothea Sommer, die Leiterin des Landeskirchlichen Archivs, Dr. Alexandra Lutz sowie Prof. Dr. Martin Ott (ILFG) und weiteren Mitgliedern des Instituts.

Marcus Mühlnikel

Dr. Marcus Mühlnikel

Akademischer Oberrat 
Institut für Fränkische Landesgeschichte
Telefon: +49 (0) 9228 99605-15
E-Mail: marcus.muehlnikel@uni-bayreuth.de
marcus.muehlnikel@uni-bamberg.de

Mann mit Brille

Gert-Dieter Meier

Wissenschaftskommunikation, Abteilung Presse, Marketing und Kommunikation

Telefon: 0921 / 55-5356
E-Mail: gert-dieter.meier@uni-bayreuth.de